Verhalten bei Dichterlesungen

Empfehlungen für Stollentrolle

 

Vor der Lesung

Ein richtiger Stollentroll:

    1. spielt sich vor der Lesung auf:
      • gibt sich als Akustik-Beauftragter aus und prüft die Beschallung, verzögert den Beginn der Lesung ggf. durch gezielte Spontan-Beschallung im obersten Dezibel-Bereich
      • gibt sich als Elektrik-Beauftragter aus und prüft Kabelage und Steckdosen, verzögert den Beginn der Lesung ggf. durch einen gezielten Kurzschluss
      • gibt sich als Beleuchtungs-Beauftragter aus und prüft die Beleuchtung, verzögert den Beginn der Lesung ggf. durch gezielte Verdunkelung
      • gibt sich als Bestuhlungs-Beauftragter aus und prüft die Bestuhlung, verzögert den Beginn der Lesung ggf. durch das gezielte Manipulieren der Stühle
      • gibt sich als Brandschutz-Beauftrager aus prüft die Brandschutz-Einrichtungen, vezögert den Beginn der Lesung ggf. durch gezielte Schikanen
      • gibt sich als Lebensmittel-Beauftragter aus und prüft die bereitgehaltenen Lebensmittel, verzögert den Beginn der Lesung ggf. durch ein gezieltes Beschlagnahmen von Ölsardinen/Gimp/Phogarren für weitergehende Prüfungen
      • (gibt sich als alles Mögliche aus und prüft alles Mögliche)
      • gibt damit an, dass er den Künstler persönlich kennt

 

  1. kann es kaum abwarten:
    • hat eine XXL-Packung Gimpibärchen mitgebracht
    • rutscht unruhig auf seinem Sitz hin und her
    • fragt seinen Nachbarn, wann es endlich los geht
    • fragt seinen Nachbarn gelangweilt nach der Uhrzeit
    • trommelt nervös auf die Armlehne

 

Während der Lesung

Ein richtiger Stollentroll:

    1. hat körperliche Laster:
      • niest, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten
      • hustet laut und verschleimt
      • popelt gelangweilt in der Nase und schnipst den Fang in die vorderen Reihen
      • lässt ganz leise einen fahren
      • zieht seine Schuhe aus
      • kratzt sich an den unanständigen Körperteilen
      • putzt sich mit seinem Hemd die Nase

 

    1. ist von Dichterlesungen gelangweilt:
      • (gähnt) (beliebig oft wiederholbar!)
      • raschelt mit seiner Gimpibärchentüte
      • blättert gelangweilt im Programmheft
      • trommelt gelangweilt auf die Armlehne
      • (brüllt) (Zwischenrufe aller Art)
      • Bastelt aus dem Programmheft einen Papierflieger und lässt ihn in Richtung Rednerpult fliegen

 

    1. pflegt soziale Kontakte:
      • tippt seinem Vordermann auf die Schulter
      • macht seinem Vordermann Hasenohren
      • fragt seinen Nachbarn gelangweilt nach der Uhrzeit
      • patscht in der Dunkelheit seine Nachbarin an
      • (streichelt Plüschohr)

 

  1. schläft während der Lesung ein (oder tut zumindest so):
    • ist eingeschlafen
    • röchelt
    • schnarcht
    • spricht im Schlaf
    • ist wieder aufgewacht

 

Nach der Lesung

Ein richtiger Stollentroll:

  • klatscht nur beiläufig Beifall
  • (brüllt) Kommt jetzt endlich das Hauptprogramm? / Na endlich, zu Ende!/ Wars das schon? / War das schon alles? / Kommt jetzt endlich der Star?
  • wirft seine leere Gimpibärchentüte in die vorderen Reihen
  • rempelt im Rausgehen die anderen Gäste an
  • streitet jede Mitschuld an der misslungenen Lesung ab und bezichtigt stattdessen den Nebenmann (vorzugsweise eine unschuldige Berghutze oder eine Fhernhache)

„Stollentrolle aller Länder vereinigt Euch.“

Oiak / Heinrich / JB / H. C. Simok

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